stg – Die MitarbeiterBerater

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Integriertes BGM – was ist das, was bringt es und was macht es erfolgreich? Dr. med. Friederike Dunkel-Benz, Fachärztin für Arbeits- und Allgemeinmedizin, über Wirksamkeit und Philosophie einer Führungsaufgabe

Integriertes BGM – was genau verstehen Sie darunter?

Integriertes BGM, das ist in der Tat ein vielbeschriebener Begriff. Für mich bedeutet es, dass Gesundheit – im Sinne von körperlicher, seelischer und sozialer Gesundheit ganzheitlich in Strategie, Zielen und Kultur eines Unternehmens verankert ist. Auch und vor allem dann, wenn Gesundheit per se nicht dessen Geschäftsauftrag ist.

Wozu?

Um mittelfristig – wir reden über einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren – eine Gesundheitskultur als gemeinsamen Bezugsrahmen für Führungskräfte und Mitarbeiter im Unternehmen zu entwickeln. Für eine möglichst breite Akzeptanz braucht es hierzu vor allem den erklärten Auftrag der Geschäftsleitung und eine werteorientierte Führung.

Was sind Sie Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Schritte, um ein BGM einzuführen?

Für mich sind es vier Schritte, nämlich ‚plan – do – check – act’. Das heißt: Nach einer pragmatischen Analyse von Ist-Situation und Stakeholdern im Unternehmen, geht es darum, die Wirkungsebene zu klären und ein Konzept zu entwickeln. BGM-Maßnahmen können ja das individuelle Verhalten ebenso beeinflussen wie den Arbeitsplatz und die Organisation als Ganzes. Aus meiner Erfahrung weiß ich: Die Beschäftigten wollen gefragt werden, schließlich sind sie die Experten für ihre Arbeitsplätze. Danach wird das Konzept an einer kleineren Gruppe getestet – mit einfachen, schnell realisierbaren Maßnahmen zu überschaubaren Kosten. Dann gilt es, das Ergebnis dieses Testlaufs nochmal zu überprüfen und im ganzen Unternehmen einzuführen. Regelmäßige Wirkungsanalysen sorgen im weiteren Verlauf für eine positive Rückkoppelung und kontinuierliche Weiterentwicklung des Instruments.

Wichtig ist in jedem Fall eine intensive Kommunikation bei der Einführung eines BGMs, um die Mitarbeiter mit ins Boot zu holen. Denn ein übergestülptes Gesundheitsmanagement im Sinne von ‚du musst aber’ funktioniert meiner Erfahrung nach nicht. Ebenso wenig die ‚Angstmasche’, die mit Fehlzeiten und Krankenstand argumentiert. Wer will sich damit schon freiwillig beschäftigen?

Was meinen Sie, warum ist Gesundheit wichtig? Weil jeder Tag, an dem ich krank bin, ein verlorener Tag ist. Einer, an dem ich nicht tun kann, was mich erfüllt. Lust auf Gesundheit zu machen mit einem freundlichen ‚Probier’s doch mal’ und neuen Erfahrungen, darum geht es im BGM. Wenn es Ihnen gelingt, das Thema emotional positiv zu besetzen, haben Sie das Meiste richtiggemacht.

Wie hängt aus Ihrer Sicht die Wirkung von BGM und externer MitarbeiterBeratung (EAP) zusammen?

Ein EAP – kurz für Employee Assistance Program – ist ein wesentlicher Baustein zur betrieblichen Gesundheitsförderung für Unternehmen, die über diese Kompetenz nicht selbst verfügen. Insofern ergänzen sich BGM und EAP in ihrer Wirkung. Für einen optimalen Effekt ist es meiner Erfahrung nach wichtig, dass die jeweiligen Zuständigkeiten klar definiert sind, dass die Verantwortlichen zusammenarbeiten und sich institutionalisiert abstimmen, zum Beispiel in einem Steuerkreis betriebliche Gesundheit. Gesunde und motivierte Mitarbeiter – das muss immer das gemeinsame Ziel sein.

Die Einführung eines BGMs gestaltet sich auch wegen fehlender Budgets schwierig. Welche Schritte/Maßnahmen halten Sie hier für erfolgversprechend? Inwiefern lassen sich andere Budgets, z.B. Personalentwicklung, verwenden?

Ja, das stimmt. Gesundheit im Unternehmen kostet Geld, aber nicht zwingend viel Geld! Um trotzdem ein wirkungsvolles BGM auf die Beine zu stellen, ist deshalb mitunter auch Einfallsreichtum gefragt. So wird seit 2008 die Förderung der Mitarbeitergesundheit steuerlich unterstützt. Bis zu 500 Euro kann ein Unternehmen pro Beschäftigten und Jahr lohnsteuerfrei in sein BGM investieren. Auch die gesetzlichen und Betriebskrankenkassen bieten sehr interessante Programme für Unternehmen an. Hier lohnt ein Blick darauf, wo die Mitarbeiter in der Mehrzahl versichert sind.

Bei alledem gilt: BGM ist eine Führungsaufgabe, die Impulse müssen von oben kommen und bei den Mitarbeitern Anschluss finden. Bei einem Krankenstand von 5% sind doch 95% der Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz. Und wenn Sie es bei diesen schaffen, Gesundheit im Unternehmen positiv motivierend zu besetzen, kommt das allen zugute.

 


 

Dr. med. Friederike Dunkel-Benz ist Fachärztin für Arbeits- und Allgemeinmedizin sowie Psychotherapie und Sportmedizin. Von 1990 bis 2009 war sie als Betriebsärztin am Siemens-Standort Amberg/Cham tätig, von 2009 bis 2016 leitete sie das operative Health Management der Siemens AG. Heute praktiziert Dr. Dunkel-Benz im oberpfälzischen Nabburg.

2017-05-24T18:33:02+00:00