Mental Load: Weil Unsichtbares auch belastet

In Vollzeit berufstätig, Kinder erziehen, Haushalt führen und viele unsichtbare Aufgaben scheinbar nebenher erledigen machen – all das sorgt für sogenannten Mental Load. Der Begriff beschreibt das belastende Gesamtpaket, von dem besonders Frauen betroffen sind. Dabei geht es nicht um die Arbeit an sich, sondern vor allem um den psychischen Druck, der mit der Verantwortung einhergeht.

Zum Glück gibt es Wege heraus aus der mentalen Überlastung. In diesem Beitrag erfahren Sie wirksame Strategien, die helfen, wenn Ihnen der Mental Load über den Kopf wächst.

Mental Load

Mental Load: Belastung unter dem Radar

Der Begriff „Mental Load“ bezeichnet die mentalen Anstrengungen, die entstehen, wenn jemand verantwortlich ist fürs Planen, Organisieren und Verwalten von Aufgaben, beruflich wie privat, für Beziehungspflege sowie das Auffangen persönlicher Bedürfnisse und Befindlichkeiten. Hierbei geht es nicht nur um die physische Ausführung von Verpflichtungen für Job, Familie oder Haushalt, sondern vor allem um die psychische Belastung, die mit der ständigen mentalen Präsenz und Verantwortung verbunden ist.

Das Fatale daran: Die meisten Alltagsaufgaben laufen einfach so nebenher und bleiben deshalb für Andere oft unsichtbar. Quasi unter dem Radar. Zudem werden sie als „nicht so wichtig“ eingestuft und deshalb meist wenig wertgeschätzt. Dabei kann ihre Summe beträchtlich sein. Hinzu kommt, dass in vielen Fällen eine Person allein die Verantwortung und damit die Hauptlast des Mental Loads trägt. Oft ist es die Frau.


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Ist Mental Load reine Frauensache?

Jein. Mental Load ist per se nicht an ein bestimmtes Geschlecht gebunden. Trotzdem sind heute immer noch vor allem Frauen davon betroffen, insbesondere im Bereich der Familien- und Haushaltsorganisation. Das liegt auch an traditionellen Rollenmodellen, die mit einer Mehrfachbelastung v. a. für berufstätige Frauen einhergehen.

So zeigt eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung , dass der Mental Load neben der Aufteilung von Kinderbetreuung, Hausarbeit und Pflege von Angehörigen eine zentrale Dimension partnerschaftlicher bzw. geschlechtsspezifischer Ungleichheit in heterosexuellen Partnerschaften ist. Frauen bzw. Mütter tragen den größten Teil des Mental Loads. Insbesondere wenn Kinder im Haushalt leben bzw. Frauen in Teilzeit arbeiten, übernehmen sie die Hauptlast. Der Mental Load ist jedoch selbst dann ungleich zu Ungunsten von Frauen verteilt, wenn diese in Vollzeit beschäftigt sind.

Mental Load Statistik

Ungleichgewicht: Frauen übernehmen deutlich mehr der kognitiven Arbeit im Haushalt. Das befördert ihren Mental Load.


Zusammenspiel mehrerer Faktoren

Der Mental Load setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. In Summe belastend können wirken:

  • Planung: Organisation von Terminen, Aufgaben und Verpflichtungen, beruflich wie privat
  • Priorisierung: Entscheiden darüber, welche Aufgaben zuerst erledigt werden müssen und welche vernachlässigt werden können
  • Erinnerung: Merken von Details und Fristen
  • Multitasking: gleichzeitiges Bewältigen mehrerer Aufgaben oder Verpflichtungen, oft unter Zeitdruck
  • Emotionale Belastung: Bewältigung von stressigen oder emotional belastenden Situationen, beruflich wie privat
  • Kommunikation: Notwendigkeit, mit anderen Personen zu kommunizieren und Informationen auszutauschen, um sicherzustellen, dass Aufgaben erledigt werden

Überlastung auf breiter Front

Betroffene beschreiben oft, dass ihr Kopf explodiert. Und tatsächlich kann man sich beim Mental Load den Menschen wie einen Computer vorstellen, dessen Arbeitsspeicher so überfüllt ist, dass das ganze System zusammenbricht.

Häufige Symptome sind:

  • Personen mit hohem Mental Load fühlen sich oft unzufrieden, überfordert, hilflos oder gar hoffnungslos. Sie haben den Eindruck, den Anforderungen nicht wirklich genügen zu können. Das kann Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Ängste oder depressive Symptome nach sich ziehen.
  • Chronischer Stress kann sich in Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Magen-Darm-Beschwerden oder Schlafstörungen äußern.
  • Die Dauerbelastung kann zu einer ausgeprägten Erschöpfung führen, die auch nach ausreichendem Schlaf bestehen bleibt.
  • Betroffene haben oft Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Aufgaben effizient zu erledigen. Sie lassen sich leicht ablenken und können Informationen oft schlecht behalten.

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Praxis-Tipps zur schrittweisen Entlastung

Mental Load ist keine Bagatelle, sondern eine große Belastung, die die Lebensqualität einschränkt und Betroffene auf lange Sicht krank machen kann.

Unabänderliches Schicksal ist er zum Glück auch nicht. Es gibt Wege heraus aus der Mental Load-Falle. Kurz und schnell sind die allerdings nicht. Schließlich handelt es sich um einen komplexen (Lern-)Prozess. Dieser benötigt Zeit, denn es geht darum, neue Einsichten, Gedanken und ein neues Verhalten aufzubauen.

Der Gewinn allerdings ist persönliches Wachstum. Und das wiegt so manches auf.

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Schritt 1: Sichtbar machen

Die Unsichtbarkeit der alltäglichen Aufgaben wirkt auf zwei Ebenen. Zum einen ist den Betroffenen deren schiere Menge oft nicht bewusst. Zum anderen zählt nicht, was vordergründig nicht da ist. Da bleiben Anerkennung und Wertschätzung fast zwangsläufig auf der Strecke.

Machen Sie im ersten Schritt sichtbar, was eigentlich da ist – wie es Ihnen geht und was Sie alles tun. Lassen Sie die Gefühle von Anspannung, Überforderung oder Hilflosigkeit zu (auch wenn sie sich im ersten Moment bedrohlich anfühlen!) und versuchen Sie, darüber zu sprechen – so gut wie möglich. Sie werden sehen: Mit-geteilter Mental Load fühlt sich schon viel leichter an.

Dann werden Sie konkreter: Setzen Sie sich mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner zusammen und schreiben Sie zunächst getrennt voneinander die gefühlte Verteilung der Aufgaben auf ein Blatt. Sie glauben, dass Sie 60 % aller Aufgaben übernehmen? Dann schreiben 60/40 auf Ihren Zettel.

Dann erstellen Sie gemeinsam eine möglichst umfassende Liste typischer Aufgaben, die anfallen und erledigt werden, z. B. Klo putzen, Fenster putzen, Wäsche waschen, aufhängen und falten …


Schritt 2: Verteilung überprüfen

Jetzt nehmen Sie sich die Liste vor und schreiben Sie hinter jeden Ihrer Punkte:

  • Wer denkt dran?
  • Wer setzt es um?
  • Wie oft muss es gemacht werden?
  • Wie lange dauert es durchschnittlich?

Anschließend rechnen Sie für jede und jeden zusammen, wieviele Stunden durchschnittlich pro Woche anfallen. Vergleichen Sie Ihre persönlichen Werte mit den Prozenteinschätzungen in Schritt 1. Oft besteht ein deutlicher Unterschied zwischen gefühlter und tatsächlicher Aufgabenverteilung.

Sind Sie zufrieden mit der Verteilung? Ist die Antwort „ja“, dann passt alles und Sie können die Übung beenden. Ist die Antwort „nein“, geht’s weiter mit Schritt 3.

Schritt 3: Regelmäßig planen

Nehmen Sie sich einmal in der Woche Zeit, um die kommenden Tage zu planen. Dazu vereinbaren Sie am besten einen festen Termin, den Sie in den Kalender eintragen. Dann besprechen Sie alle anstehenden Termine und Aufgaben.

Wichtig dabei: Ein(e) Partner(in) übernimmt im Idealfall den gesamten Prozess. Das heißt: Es wird nicht einfach eine Aufgabe wie „Besorge ein Geschenk“ zugewiesen, sondern eine Person übernimmt die komplette Verantwortung dafür, dass beispielsweise das Kind zum Kindergeburtstag gehen kann.

Achten Sie auf eine einigermaßen ausgewogene Verteilung der Prozesse mit ihren Teilaufgaben. Wenn also einer kocht, dann planen Sie gemeinsam, was es von Montag bis Sonntag zu essen geben soll, und überlegen Sie, welche Zutaten dafür besorgt werden müssen. Die Person, die die Einkaufsliste plant, verschafft sich dann einen Überblick über das, was besorgt werden muss.

Schritt 4: Immer wieder gegenchecken

Leidet ein(e) Partner(in) besonders unter dem Mental Load, nehmen Sie sich während der Umverteilungsphase einmal im Monat Zeit, um die gesamte Familien- oder Haushaltsorganisation zu besprechen. Dabei helfen Fragen wie:

  • Was hat gut geklappt?
  • Was lässt sich verbessern?
  • Müssen Aufgaben neu verteilt werden?
  • Wurden Aufwände unterschätzt?
  • Welche Aufgaben können gestrichen, vereinfacht oder ausgelagert werden?

Zusammenfassung

Insgesamt gilt: Mental Load abzubauen ist ein langfristiger Prozess mit verschiedenen Ansatzpunkten. Er braucht Zeit, Aufmerksamkeit und Offenheit. Allerdings durchlaufen Sie Schritt 1 und 2 nur einmal. Schritt 3 ist eine dauerhafte Veränderung, Schritt 4 am Anfang enger getaktet und dann seltener.

Der Gewinn für alle Beteiligten liegt auf der Hand: Eine höhere Transparenz von dem, was im Alltag geleistet wird, und damit auch mehr Verständnis und Wertschätzung.

Weitere Tipps rund um Resilienz finden Sie in diesem Blogartikel.


Quellen:
Grafik Mental Load: https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008679 (zuletzt abgerufen am 13.02.2024)
Quelle für die Anregungen zu Schritt 1 bis 4: https://equalcareday.de/was-ist-mental-load/ (zuletzt abgerufen am 13.02.2024)
Artikelbild: Pexels – ketut-subiyanto

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