Alkohol – Noch Genuss oder schon zu viel?

„Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren.“ Oder doch? Alkohol ist (fast) allgegenwärtig. Zum Essen, zum Feiern, zum Runterkommen. Eigentlich kein Problem. Doch wann kippt der Genuss in die Abhängigkeit. Wann wird es zu viel?

Der allgegenwärtige Alkohol

Das Feierabendbier, der Wein zum Abendessen, Anstoßen mit Sekt oder Champagner – Alkohol gehört zu vielen Anlässen einfach dazu. Ihn zu konsumieren, ist gesellschaftlich so anerkannt, dass eher der Verzicht für Erstaunen sorgt. „Was, du trinkst gar nichts?“

In den letzten Monaten sind viele gesellige Anlässe weggefallen, in denen normalerweise Alkohol fließt. Getrunken wird trotzdem. So berichtet der Marktforscher GfK, dass die Deutschen zwischen Ende Februar und Ende März ganze 34 Prozent mehr Wein gekauft haben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gleiches gilt für Schnaps und Korn (plus 31,2 Prozent) sowie Bier (plus 11,5 Prozent).

Der Verkauf von Alkoholmischgetränken stieg gar um 87,1 Prozent. Die Zahlen allerdings sind auch deshalb so hoch, weil sich der Alkoholkonsum von den geschlossenen Restaurants, Kneipen und Bars in die eigenen vier Wände verlagert hat.

Schwierig also zu sagen, ob wirklich mehr getrunken wird. Verändert hat sich in jedem Falle die Situation, in der getrunken wird. Die Corona-Krise setzt selbstverständliche Gewohnheiten außer Kraft, sie bringt Routinen durcheinander und macht Angst. Da kommt es gerade recht – das eine Glas Wein am Abend oder die zwei oder die drei …

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Alkohol – Über was reden wir hier eigentlich?

Alkohol bzw. Äthanol oder Äthylalkohol (C2H5OH) ist eine klare, farblose Flüssigkeit, die durch die Vergärung von Zucker entsteht. Als Rohstoffe können im Prinzip alle zuckerhaltigen Nahrungsmittel verwendet werden. Neben den Weintrauben als traditioneller Ausgangstoff werden u.a. auch Getreide, Früchte, Zuckerrohr, Melasse, Mais und Kartoffeln zur Alkoholgewinnung verwendet, wobei der Alkoholgehalt je nach Art des Getränks stark variiert.

So enthält etwa Bier zwischen 4,0 und 8,0 Vol. %, Rotwein zwischen 11,5 und 15,0 Vol. % und Hochprozentiges wie Wein- oder Obstbrand 45 und mehr Volumenprozent Alkohol. Alkohol gelangt über die Schleimhaut des Verdauungstrakts ins Blut und darüber im gesamten Körper verteilt. Nach etwa 30 bis 60 Minuten nach Aufnahme ist die höchste Blutalkoholkonzentration erreicht. Im Gehirn bewirkt Alkohol die Freisetzung des Neurotransmitters Dopamin. Der sorgt in geringen Mengen für Entspannung, Stimmungsaufhellung und Aktivierung. Angstgefühle werden gedämpft.

Eine durchaus angenehme Wirkung nach einem anstrengenden Corona-Tag mit Home Office und Home Schooling, wenn überdies nicht klar ist, wie es mit dem Job weitergeht.

Zuviel macht krank

„Die Dosis macht das Gift.“ Was schon der Arzt Paracelsus im Mittelalter wusste, gilt auch für den Alkohol. Der birgt akute Risiken und kann zu langfristigen Folgeschäden führen.

Akut beeinträchtigt Alkohol schon in geringen Mengen die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit, Wahrnehmung und Urteilskraft. Das erhöht die Unfallgefahr und hat im Straßenverkehr etwa nicht selten tödliche Folgen. Darüber hinaus kommt es infolge erhöhten Alkoholkonsums auch zu Aggression und Gewalt. So wird ein Großteil aggressiver Straftaten unter Alkoholeinfluss begangen. Nicht zuletzt kann Alkohol während der Schwangerschaft das Ungeborene schwer schädigen.

Auf lange Sicht kann Alkohol zu schwerwiegenden Folgeschäden führen

Körperliche Folgen

Da der Alkohol über das Blut im ganzen Körper verteilt wird, kommt es infolge eines chronisch erhöhten Alkoholkonsums zu Zellschädigungen: Leber, Bauchspeicheldrüse, Herz sowie des zentrales und peripheres Nervensystem und Muskulatur. Daneben steigt auch das Krebsrisiko.

Psychische Folgen
Diese reichen von häufigen Stimmungsschwankungen, Angstzuständen und Depression bis hin zu erhöhtem Suizidrisiko.

Soziale Folgen

Ein chronisch erhöhter Alkoholkonsum verändert häufig auch das soziale Umfeld. Es entstehen Konflikte, Ehen oder Beziehungen zerbrechen und/oder der Arbeitsplatz geht verloren.

Zu viel ist weniger als gedacht

Wir wissen jetzt, dass zu viel Alkohol schadet – und das in vielerlei Hinsicht. Aber was ist eigentlich zu viel? Weniger als viele denken, denn die Empfehlung für Frauen lautet max. 12 Gramm Alkohol pro Tag. Bei Männern sind es 24 Gramm. Das entspricht ungefähr einer Halben Bier.

Mit Hilfe sogenannter Standardgläser lässt sich der Alkoholgehalt verschiedener Getränke schätzen. Ein Standardglas enthält immer zwischen 10 und 12 Gramm reinen Alkohol. Wenn Sie sich die Standardgläser für die verschiedenen alkoholischen Getränke merken, können Sie relativ gut beurteilen, wie viel Alkohol Sie zu sich genommen haben.


Die Frage der Abhängigkeit

Alkohol kann psychisch und körperlich abhängig machen. Dass er quasi unbeschränkt verfügbar ist, verstärkt dieses Risiko noch. Eine Alkoholabhängigkeit entwickelt sich nicht über Nacht. Zusammenkommen müssen vielmehr ein langzeitig erhöhter Alkoholkonsum und die individuelle Veranlagung (Disposition).

Die Diagnose „Alkoholabhängigkeit“ wird in der Regel dann gestellt, wenn im letzten Jahr mindestens drei der folgenden sechs Kriterien zutreffen:

  • Starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu konsumieren
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginns, Ende und Menge des Konsums
  • Auftreten eines körperlichen Entzugssyndroms.
  • Toleranz – das bedeutet, die Wirkung tritt erst mit immer höheren Dosen ein
  • Alkoholkonsum tritt immer mehr in den Mittelpunkt; andere Interessen werden vernachlässigt
  • Anhaltender Alkoholkonsum trotz körperlicher, sozialer und/oder psychischer Folgeschäden

Seit 1968 gilt Alkoholismus als Krankheit.


Wann ist es zu viel?

Die Grenze zwischen Genuss, Konsum, Missbrauch, Gewöhnung und Abhängigkeit verläuft fließend. Das ist die große Gefahr, denn es gibt keinen eindeutigen Punkt, an dem es kippt. Oft merken die Betroffenen das Problem erst, wenn das Trinken schon unverzichtbar geworden ist. Dann wird es schwer gegenzusteuern.

Deshalb ist es wichtig, wachsam zu bleiben. Treten Sie einen Schritt zurück und fragen Sie sich immer wieder: „Was mache ich da eigentlich?“ Diese Ehrlichkeit fällt mitunter schwer, aber sie kann Sie vor den drastischen Konsequenzen einer Suchterkrankung bewahren.

Test zur Messung des Alkoholkonsumverhaltens

Ein Online-Test kann Ihnen eine erste Orientierung liefern. Der „Alcohol Use Disorder Identification Test“ (AUDIT) zum Beispiel wurde im Auftrag der WHO für die Messung von riskantem und abhängigem Alkoholkonsum entwickelt. Der Test wurde in viele Sprachen übersetzt und wird international eingesetzt.

Bitte beachten Sie: Dieser Test kann keine fachliche Diagnose ersetzen. Sollte Ihr Testergebnis auf eine mögliche Alkoholabhängigkeit hinweisen, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt oder die stg-Mitarbeiterberatung in Ihrem Unternehmen.


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Was tun?

Ihr Testergebnis weist darauf hin, dass Sie zu viel trinken und vielleicht auf dem Weg in die Abhängigkeit sind? Oder Sie merken selbst, dass der Alkohol in letzter Zeit eine feste Größe in Ihrem Leben geworden ist?

Tun Sie das nicht ab, nehmen Sie all’ Ihren Mut zusammen und schauen Sie hin. Je länger Sie warten, den ersten Schritt zu tun, desto schwerer werden alle anderen.

Wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder die stg-Mitarbeiterberater in Ihrem Unternehmen. Wir haben erfahrene Expert*innen für das Thema Sucht in unserem Team. Diese beraten Sie vertraulich – auch Wunsch auch anonym – und helfen Ihnen, die Situation einzuschätzen. Gemeinsam überlegen wir, was Sie tun können, um dem Alkohol Paroli zu bieten. Wir sind an Ihrer Seite!

Interview: Was Sie als Arbeitgeber tun können

„Wie der Umgang mit Alkohol gehandhabt wird, ist Sache der Unternehmen.“

5 Prozent der deutschen Erwerbstätigen sind alkoholabhängig, bei Führungskräften ist die Rate sogar doppelt so hoch. Was kann der Arbeitgeber tun? Wie spricht man das sensible Thema an? Peter Raiser von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen gibt Auskunft dazu. Hier geht es zum Interview.


Quellenangaben:

Apothekenumschau

Gesellschaft für Konsumforschung (GfK)

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.; „Diagnostische Leitlinien für das Abhängigkeitssyndrom“

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therapie.de

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