Growth Mindset: Von der Haltung zum Verhalten

Von der Haltung zum Verhalten – so richten Sie sich auf Wachstum aus: In diesem stg-Impuls erfahren Sie, was ein „Growth Mindset“ ist, wie es Ihnen nutzen kann und wie Sie diese Haltung in Ihrem Leben gezielt stärken.

stg-Impuls Mindset Praxis Tipps

Gelernte Überzeugungen

Der Begriff „Mindset“ lässt sich übersetzen mit Einstellung, Lebenshaltung, Denkweise oder Weltanschauung. Gemeint ist unsere innere Haltung, die unser Denken, Handeln und Fühlen beeinflusst.

Unser Mindset ist nicht angeboren. Vielmehr formt es sich mit den Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen, bewerten und im Gedächtnis abspeichern. Damit sind stärkende, wirksame Erfahrungen ebenso gemeint wie schwächende oder destruktive Erlebnisse.

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Eine Frage der Perspektive

Unser Mindset beeinflusst maßgeblich, wie wir uns und unsere Umwelt wahrnehmen und bewerten, wie wir uns fühlen und handeln. Deshalb ist es wichtig zu wissen, unser Mindset ist gelernt. Es lässt sich verändern.

Stellen Sie sich vor, Sie setzen eine Sonnenbrille mit gelben Gläsern auf. Sofort scheint alles gelblich zu sein. Mit braunen Gläsern erscheint alles bräunlich. Tatsächlich ist der Baum grün, bleibt der Himmel blau und der Asphalt grau. Ihre Brille entscheidet, wie Sie die Welt sehen.

Genauso funktioniert das Mindset. Es ist unsere Brille auf das Leben, die subjektive Bewertung der inneren und äußeren Welt. Oft glauben wir, dass die Dinge so sind, wie wir sie sehen. Aber das stimmt nicht. Jede Brille verändert unsere Perspektive.


Mindset: fix oder flexibel

Die Psychologin Carol Dweck forscht und lehrt an der Standford University in den USA. Sie untersuchte mehrfach, wie Menschen mit Herausforderungen und Niederlagen umgehen. Dabei stellt sie die Bedeutung des Mindsets heraus. Ihr populär gewordenes Modell unterscheidet das „Fixed Mindset“ vom „Growth Mindset“.

„Fixed“ steht für „fest“ oder „unflexibel“. Menschen mit einem „Fixed Mindset“ betrachten Gegebenheiten als statisch. Sie glauben, dass ihre Persönlichkeit und Fähigkeiten nicht veränderbar sind. Scheitern sie bei einem Vorhaben, sehen sie dies als Beweis dafür, dass es ihnen einfach nicht liegt (Persönlichkeit) oder sie es einfach nicht können (Fähigkeiten). Fehler sagen in ihren Augen etwas über die Grenzen ihrer Kompetenz aus. Deshalb versuchen sie diese zu vermeiden. Das ist die stillstandsorientierte Denkweise.

„Growth“ ist übersetzt Wachstum. Personen mit einem „Growth Mindset“ betrachten Menschen als veränderbar – in ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten. Scheitern oder Fehler erklären sie damit, dass etwas noch nicht ausreichend entwickelt ist. Fehler beweisen, dass man versucht, weiterzukommen. Sie bieten die Chance, es auch zu schaffen. Das ist die wachstumsorientierte Denkweise (Puckett, 2021).

stg-impuls Mindset Stillstand Wachstum


Klärende Fragen

„Fixed Mindset“ wie „Growth Mindset“ variieren – von sehr ausgeprägt bis zu „von beiden etwas, je nach Situation“. In welche Richtung Sie tendieren, lässt sich mit zwei Fragen klären:

Frage 1: Was waren Ihre drei größten Erfolge?

Menschen mit einem „Fixed Mindset“ weisen eher auf möglichst objektive „Beweise“ ihrer Fähigkeiten hin, Abschlüsse etwa, Auszeichnungen oder Beförderungen. Menschen mit einem „Growth Mindset“ erzählen eher Geschichten. Sie berichten von den Herausforderungen, denen sie sich gestellt und die sie gemeistert haben.

Frage 2: Wie haben Sie diese Erfolge erreicht?

Menschen mit einem „Fixed Mindset“ nennen eher vorhandene Fähigkeiten und Kompetenzen. Sie bewerten Ihren Erfolg als Nachweis derselben. Menschen mit einem „Growth Mindset“ hingegen erklären den Erfolg mit der Entwicklung, die sie beim Lösen des Problems oder Erreichen des Ziels gemacht hat. Eine typische „Fixed-Mindset“- Antwort könnte anfangen mit: „Durch meine guten Kenntnissen auf dem Gebiet …“. Eine typische „Growth-Mindset“-Antwort wäre: „Indem ich mir xy erstmal erarbeitet habe …“ (Puckett, 2021).

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Praxisteil zum Mindset

Wachstum ist (er-)lernbar

Jeder Mensch kann über sich hinauswachsen. Das ist das Ergebnis der Forschungen von Carol Dweck, in denen sie das Verhältnis von persönlicher Einstellung und Erfolg untersucht hat. Sie arbeitete nicht nur mit Kindern, sondern auch mit Leistungssportlern, Profi-Musikern und Führungskräften. Erfolg und Begabung, so stellte sie fest, hängen weniger eindeutig zusammen als Erfolg und Trainingsaufwand.

Das heißt: Menschen mit mehr Ehrgeiz, die mehr lernten und mehr übten, zeigten später auch bessere Leistungen. Dabei geht es nicht darum, zu behaupten, jede*r könne alles gleich gut. Es geht darum, sich nicht selbst von vornherein zu limitieren. Jeder Mensch ist frei, sich zu entwickeln, Wachstum ist (er-)lernbar.


Übung: Die ABC-Analyse

Die ABC-Analyse wurde vom amerikanischen Psychologen Albert Ellis entwickelt. Ursprünglich in der Rational-Emotiven-Therapie verortet, ist diese Methode auch für den Alltag praxisrelevant. Schließlich geht es im Kern um die Bedeutung von Gedanken und Bewertungen für das innere Erleben.

Erinnern Sie sich noch an das Bild der Brille? Die ABC-Analyse knüpft daran an. Sie nutzt die Erkenntnis, dass unser Erleben der Realität ein aktiver Konstruktionsprozess ist, in dem sich Wahrnehmung, Bewertung und Erfahrung zu einem inneren Film verbinden, den wir für die Wirklichkeit halten.

In dieser Logik ist es vor allem in schwierigen Situationen, nach sogenannten Niederlagen und Misserfolgen sinnvoll, das Ereignis von den begleitenden Gedanken zu trennen.

Die Buchstaben A, B und C stehen für drei Analyse-Elemente:

  • Activating Event – das auslösende Ereignis
  • Beliefs – Überzeugungen und Bewertungen
  • Consequences – Emotionen

stg-impuls Mindset A B C

Ein Beispiel:

Sie halten die Abschlusspräsentation eines wichtigen Projekts. Alles ist gut gelaufen, die Ergebnisse stimmen, jetzt geht es auch um Ihre Selbstvermarktung. Im persönlichen Kontakt mit Menschen sind Sie super, das wissen Sie. Mit Präsentationen – vor allem online – stehen Sie auf Kriegsfuß. Deshalb bereiten Sie sich besonders gründlich vor.

Die Präsentation ist eine einzige Katastrophe. Nichts klappt, die Internetverbindung bricht ab, das Mikro streikt und zu allem Überfluss konnten Sie eine Frage Ihres Chefs nicht richtig beantworten. Das ist die Ausgangssituation (A).

Was denken Sie? Ihre automatische Bewertung (B) könnte in die Richtung gehen von: „Ich krieg’s einfach nicht hin!“

Wie fühlen Sie sich dann? Vielleicht sind Sie sauer auf sich selbst, frustriert oder traurig. Vielleicht schämen Sie sich (C). Die nächste Präsentation wird unter diesen Voraussetzungen nicht leichter.

Dabei ginge es auch anders.

Die Ausgangssituation (A) bleibt gleich. Die Präsentation misslingt.

Ihre automatische Bewertung (B) können Sie möglicherweise nicht sofort ändern. Was Sie aber ändern können, sind die Bewertungen danach. Wollen Sie auf den ersten Gedanken einsteigen oder setzen Sie etwas daneben, was Sie auf eine andere emotionale Fährte bringt? Das etwa könnte ein Gedanke sein wie „Ok, das ist nicht gelaufen wie erhofft. Was kann ich daraus lernen?“ oder „Was ist das Gute im Schlechten?“

Wie fühlen Sie sich dann? Vermutlich sind Sie immer noch frustriert oder verärgert. Aber es gibt einen Unterschied: Die emotionale Energie fließt nicht in die Selbstabwertung, sondern in die Erkenntnis der persönlichen Lernerfahrung (C). Das ist ein großer Unterschied!

Probieren Sie’s aus. Erleben Sie, welch machtvollen Hebel Sie haben, wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit gezielt steuern. Das ist Selbstwirksamkeit im besten Sinne!

So profitieren Sie langfristig von dieser Übung:

  • Sie lernen Ihre „roten Knöpfe“ besser kennen und merken schneller, wann sie „gedrückt“ werden.
  • Sie können alternative Reaktionen im Denken, Fühlen und Handeln trainieren. Das macht sie freier.

Übrigens

Mehr über diese Themen lesen Sie in unserem stg-Impuls. Das sind Expertentipps aus unserer Beratungspraxis, die wir unseren Kundenunternehmen und deren Mitarbeitenden regelmäßig in gelayouteter Form zur Verfügung stellen.

Möchten Sie mehr darüber erfahren? Dann wenden Sie sich bitte an Martin Reinhardt.


Quellen: Eilles-Matthiessen, C. (2018). Es muss nicht immer reden sein. So lösen Sie Konflikte am Arbeitsplatz. Frankfurt/New York: Campus Verlag. – Puckett, S. (2021). Wachstumsorientierte Organisation. Coaching-Magazin online. https://www.coaching-magazin.de/konzepte/wachstumsorientierte-organisationen (zuletzt abgerufen am 15.02.22) – Artikelbild Unsplash Arten Maltsev; Bild im Text Unsplash Sean Quillen; Grafik „Stillstand – Wachstum“ adaptiert nach https://www.coaching-magazin.de/konzepte/wachstumsorientierte-organisationen

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